Mit allen Sinnen wohnen

Hast Du alle Deine Sinne beieinander? Du bist doch von Sinnen! Da hatte ich den siebten Sinn.

Diese Aussagen kennst Du bestimmt, auch wenn sie nicht in Deinem Sprachgebrauch sind. Doch was haben diese jetzt mit Deinen Räumen zu tun?

Alles, was wir mit unseren Sinnen auf- und wahrnehmen, beeinflusst unser Leben. An gewisse Sinneseindrücke haben wir uns so sehr gewöhnt, dass wir deren Einfluss – sei er positiv oder negativ – auf unser Leben nicht bewusst wahrnehmen. So kann ein täglicher Blick (Sehen) auf unerledigte Arbeit unser Leben beeinflussen, genauso wie das dauernde Piepsen (Hören) eines defekten Gerätes oder ein duftender Blumenstrauß (Riechen).

Lass uns einen Blick darauf werfen, welcher Sinne wir uns in unseren Räumen bedienen und wie wir sie für uns positiv nutzen können.

 

Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.

Christian Morgenstern (1871-1914)

 

Sehen

Was siehst Du, wenn Du Dich in Deinen Räumen umschaust? Bleibt Dein Blick an schönen Dingen hängen, die Dein Herz erfreuen?

Gönn Dir schöne Ausblicke und minimiere die nervigen Aussichten.

Her mit den schönen Dingen, die Du besitzt. Mach sie sichtbar. Das tolle Bild, das Du vor langer Zeit geschenkt bekommen, aber noch nicht aufgehängt hast. Die Pflanze, die viel zu versteckt in der Ecke steht, die tolle Dekoration, die in der Schublade auf ihren Einsatz wartet. Mach es Dir schön.

Wenn Du genau hinsiehst, wirst Du Potential in Deinen Räumen entdecken, das Du nutzen kannst, um Dein persönliches Raumpanorama zu gestalten.

Räume die Ecken, Bereiche und Flächen auf, die den Blick auf das Schöne in Deinen Räumen verstellen. Was stört Dich, wenn Du es siehst? Es sind oft Kleinigkeiten, die verändert werden können. So kann zum Beispiel ein überfülltes Regal den Blick von dem schönen Bild ablenken, das darüber hängt. Oder die ungeöffnete Post und Papiere auf dem Esstisch lassen den wunderschönen Blumenstrauß daneben nicht zur Geltung kommen.

Es lohnt sich, ganz bewusst hinzuschauen. Geh auf Entdeckungsreise in Deine Räume und nutze Deinen Seh-Sinn in vollem Umfang.

 

Hören

Das Hören mag im ersten Moment seltsam anmuten, wenn es um Raumwahrnehmung geht. Doch sind gerade Geräusche so unterschiedlich in der Wahrnehmung, dass sie nicht unberücksichtigt bleiben sollen. Was den einen überhaupt nicht stört, ist für den anderen unglaublich nervig bis unerträglich. Und dabei spreche ich nicht von Geräuschen, die aus Nachbarwohnungen oder von der Straße in unsere vier Wände dringen, sondern von Geräuschen, die in unserem direkten Umfeld „produziert“ werden.

Quietschende Türen zum Beispiel können unglaublich nervig sein. Im Moment des Öffnens denken wir noch „Oh, muss ich mal ölen“ und im nächsten Moment, wenn die Tür hinter uns ins Schloss fällt, ist der Gedanke auch schon wieder weg und vergessen. Schranktüren, die mit einem lauten Knall schließen, lösen einen kurzen, aber schmerzhaften Reiz aus. Ein tropfender Wasserhahn oder ein hochfrequent piepsendes Elektrogerät können einen schier in den Wahnsinn treiben.

Du merkst schon, dass das alles Dinge sind, die wir wir dauerhaft beheben können, wenn wir ein Fläschchen Öl, eine Rohrzange oder ein anderes Werkzeug in die Hand nehmen oder einen lieben Menschen bitten, uns bei der Reparatur zu helfen.

Mein Tipp: Mach Dir bei jedem ab jetzt auftretenden Geräusch, das Dir unangenehm ist, eine Notiz in Deinen Kalender, wann Du es beheben willst. So kannst Du sicher sein, dass es nicht in Vergessenheit gerät und Du Dich bald über sich sanft und leise schließende Türen erfreuen kannst.

 

Riechen

Erinnerst Du Dich an die Lieblingsgerüche Deiner Kindheit? Bei mir sind das u.a. der Geruch von Erdbeeren und frisch gebackenem Kuchen. Diese Gerüche zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht und heben meine Laune.

Diese Sinneswahrnehmung solltest Du auch für Deine Räume nicht unterschätzen. Das Geruchsempfinden ist bei Menschen so unterschiedlich intensiv ausgeprägt, dass hier – ähnlich wie beim Hören – die Toleranzgrenzen stark variieren können.

Generell – unabhängig vom individuellen Geruchsempfinden – lässt sich sagen, dass in muffigen Räumen die Energie stagniert und nicht richtig fließen kann. Lass also frische Luft in Deine vier Wände, sodass die Energie frei fließen und Dich unterstützen kann.

Frische Bettwäsche, frisch gewaschene Gardinen, gut ausgeklopfte Teppiche und Decken sorgen für frischen Duft in deinen Räumen. Es geht nämlich gar nicht darum, einen besonders guten Geruch zu produzieren, sondern vielmehr darum, schlechte Gerüche zu vermeiden und zu beseitigen. Das kann zum Beispiel der schnell stark riechende Biomüll genauso sein wie ein Abfluss, der mal wieder gereinigt werden müsste.

Lass Dein Näschen nicht außer Acht, wenn es um Dein Wohn-Wohlgefühl geht.

 

Fühlen

Eine flauschige Decke, ein gemütliches Kissen, ein bequemer Sessel, ein warmer Holzboden…

Was fühlt sich für Dich gut an? Welche Stoffe magst Du besonders gerne? Auf welchem Untergrund magst Du besonders gerne barfuß gehen?

Dies sind Überlegungen, die wir bei der Ausstattung unserer Räume unbedingt beachten sollten. Was willst Du unter Deinen Füßen spüren, wenn Du morgens aus dem Bett steigst? Welche Bettwäsche magst Du gerne auf der Haut spüren, aus welchem Stoff soll Dein Lieblingskissen sein? Welche Tischoberfläche magst Du fühlen – lieber glatt oder mit Oberflächenstruktur?

Achte darauf, dass Du Deinen Bedürfnissen und Vorlieben gerecht wirst. Das Fühlen ist einer der Hauptaspekte für das Wohlfühlen.

 

Ohne Fühlen ist alles nichts. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Kennst Du diese Barfußparcours? Ich finde die toll, weil meine Füße da mit Untergründen in Kontakt kommen, wie sonst nie. Meine Füße können dort neue Fühl-Erfahrungen machen.

Wenn Du Dir also nicht sicher bist, welche Stoffe und Oberflächen Du angenehm findest, geh einfach mal in einen Stoffladen oder in ein Möbelgeschäft und fasse die Stoffe und Bezüge an. So kannst Du Deinen haptischen Horizont erweitern und möglicherweise Neues entdecken, das sich für Dich gut anfühlt.

 

Viel Spaß auf der sinnlichen Entdeckungsreise Deiner Räume. Nimm wahr, was Dich positiv beeinflusst und nutze es für Dein Wohn-Wohlgefühl. Nimm genauso wahr, was Dich stört und ändere es peu à peu. Manche Veränderungen lassen sich ganz leicht umsetzen, andere brauchen Zeit. Jede Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt.